Großhandel in der Krise – Was bedeutet das für den Einzelhandel?
Eingetrübte Stimmung und verhaltener Ausblick: Die aktuelle Konjunkturumfrage des BGA zeigt deutliche Warnsignale für die gesamte Handelskette
Die Stimmung im deutschen Großhandel hat sich zum Jahreswechsel 2025/2026 spürbar verschlechtert. Das ist das zentrale Ergebnis der aktuellen Konjunkturumfrage des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e. V. (BGA). Für den Einzelhandel sind diese Entwicklungen von erheblicher Bedeutung – denn was im Großhandel passiert, wirkt sich unmittelbar auf Warenverfügbarkeit, Preise und Konditionen aus.
Negative Umsatz- und Ertragsentwicklung erwartet
Die Großhandelsunternehmen rechnen weiterhin mit rückläufigen Umsätzen und Erträgen. Besonders betroffen ist der Produktionsverbindungshandel, doch auch im Konsumgütergroßhandel, dem direkten Vorlieferanten vieler Einzelhändler, erwarten die Unternehmen ein schwierigeres Umfeld.
Was bedeutet das für Einzelhändler?
- Mögliche Preissteigerungen durch erhöhten Kostendruck beim Großhandel
- Verschärfte Verhandlungspositionen bei Konditionen und Rabatten
- Potenzielle Lieferengpässe bei einzelnen Warengruppen
- Weniger Flexibilität bei Bestellmengen und Zahlungszielen
Hoher Wettbewerbs- und Kostendruck als Hauptursache
Der BGA benennt als wesentliche Gründe für die negative Entwicklung den hohen Wettbewerbs- und Kostendruck sowie die zunehmende Verunsicherung über die weitere wirtschaftliche Entwicklung. Diese Faktoren treffen Einzel- und Großhandel gleichermaßen.
Zusätzlich verschärft die jüngste Ankündigung von US-Präsident Donald Trump, Zölle als politisches Druckmittel einzusetzen, die ohnehin angespannte Lage. Die möglichen Auswirkungen sind in der aktuellen Umfrage noch nicht vollständig berücksichtigt, könnten aber die Situation weiter belasten.
Investitionen fokussiert auf Digitalisierung
Trotz der schwierigen Lage investieren Großhändler weiterhin, allerdings sehr selektiv. Der Schwerpunkt liegt klar auf Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz. Investitionen in andere Bereiche werden zurückgefahren.
Chance für den Einzelhandel: Wer jetzt ebenfalls in digitale Prozesse investiert, von digitalem Bestellwesen über automatisierte Warenwirtschaft bis hin zu KI-gestützter Sortimentsplanung, kann seine Wettbewerbsposition stärken und effizienter mit dem Großhandel zusammenarbeiten.
Beschäftigungsabbau und weniger Ausbildungsplätze
Besorgniserregend ist der Trend zum Personalabbau im Großhandel. Trotz anhaltendem Fachkräftebedarf werden Stellen abgebaut und weniger Auszubildende eingestellt. Dies könnte mittelfristig zu Serviceeinbußen und längeren Lieferzeiten führen.
Forderungen an die Politik – auch im Interesse des Einzelhandels
Der BGA fordert deutliche politische Weichenstellungen:
- Entlastung bei Arbeits- und Energiekosten – Kosten, die auch im Einzelhandel massiv zu Buche schlagen
- Bürokratieabbau auf nationaler und europäischer Ebene – ein Anliegen, das der gesamte Handel teilt
- Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit durch wirtschaftspolitische Nachjustierungen
Die Umfrage zeigt: Bisherige Maßnahmen wie der „Investitions-Booster“ gehen an den Bedürfnissen der Unternehmen vorbei. Hier ist eine Kurskorrektur dringend erforderlich.
Fazit: Gemeinsam durch schwierige Zeiten
Die Entwicklung im Großhandel ist ein Frühindikator für den gesamten Handel. Einzelhändler sollten die Signale ernst nehmen und sich auf ein herausforderndes wirtschaftliches Umfeld einstellen:
✓ Frühzeitige Gespräche mit Lieferanten über Konditionen und Verfügbarkeiten führen
✓ Alternative Bezugsquellen prüfen und Lieferantenportfolio diversifizieren
✓ Eigene Kostenstrukturen optimieren und Effizienz steigern
✓ In Digitalisierung investieren, um konkurrenzfähig zu bleiben
✓ Kundenbindung intensivieren, um stabile Umsätze zu sichern
Die detaillierten Ergebnisse der Konjunkturumfrage sind in den „Trends & Analysen Großhandel 1/2026“ nachzulesen, abrufbar unter: www.bga.de
Gemeinsam mit starken Partnerschaften und vorausschauendem Handeln lassen sich auch schwierige Marktphasen meistern. Der Dialog zwischen Einzel- und Großhandel wird in den kommenden Monaten wichtiger denn je.
(Text: BGA/Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e. V./hv/ks; Bild: AdobeStock_339153677)
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