„Der ehrlichste Shop der Welt“ – Eine Kampagne, die zeigt, was hinter den Schnäppchen steckt

„Der ehrlichste Shop der Welt“ – Eine Kampagne, die zeigt, was hinter den Schnäppchen steckt

Wenigstens sind wir ehrlich. Mit diesem Claim startet eine ungewöhnliche Aufklärungskampagne, die zugleich entlarvend, humorvoll und wirtschaftspolitisch brisant ist. Hinter der Adresse Der ehrlichste Shop der Welt verbirgt sich kein Online-Shop, sondern eine der mutigsten Verbraucherschutzkampagnen, die der Südwesten seit Jahren gesehen hat.

Ein Shop, der nichts verkauft und genau deshalb alles erklärt

Wer auf Instagram, TikTok oder Facebook auf die Werbeanzeigen der Kampagne stößt, erkennt zunächst nichts Ungewöhnliches: professionell produzierte Video-Ads, emotionale Produktversprechen, vertraute Optik. Ein Handstaubsauger hier, ein 5-in-1-Hairstyler dort, Schuhe, eine Smartwatch, ein Kleid. Alles sieht aus wie tausend andere Angebote, die täglich durch die Feeds rollen.

Erst beim Klicken kippt das Bild. Die Webseite ist eine bewusste Inszenierung. Zehn Kurzfilme zeichnen typische Werbemuster des Dropshippings nach und machen erlebbar, wie leicht man auf solche Angebote hereinfallen kann. Statt Produktseiten findet man Aufklärung: über Qualitätsrisiken, Rückgabeprobleme, Sicherheitslücken, unklare Herstellerangaben. Der Slogan bringt es auf den Punkt: „Informiere dich und spare 100 % bei Fehlkäufen.“

Wer steckt dahinter und warum jetzt?

Die Kampagne ist ein Gemeinschaftsprojekt des Handelsverbands Südwest, der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz und der Medienanstalt Rheinland-Pfalz, gefördert durch das Wirtschaftsministerium Rheinland-Pfalz. Das Timing ist kein Zufall. Der Markt für Direktlieferungen aus Fernost boomt auf eine Art, die für den stationären und digitalen Handel in Deutschland strukturell problematisch ist. Allein von Temu und Shein kommen täglich rund 400.000 Pakete in Deutschland an. Der kombinierte Umsatz beider Plattformen hierzulande wird auf 2,7 bis 3,3 Milliarden Euro geschätzt, mit einem jährlichen Wachstum von 27,2 Prozent, während der gesamte deutsche E-Commerce im gleichen Zeitraum um lediglich 3,2 Prozent zulegte.

Das klingt nach Wettbewerb. Es ist aber keiner, wenn eine Seite alle Regeln befolgt und die andere nicht.

Gleicher Markt, andere Regeln

Wer in Deutschland Handel betreibt, kennt die Spielregeln: CE-Kennzeichnung, Produkthaftung, Verpackungsentsorgung, Umsatzsteuer, Zölle, Lieferkettensorgfalt. Diese Regeln kosten Zeit, Geld und Aufwand. Plattformen wie Temu und Shein bewegen sich auf demselben Markt, folgen aber häufig anderen oder gar keinen Regeln, bis jemand sie abmahnt.

Nach Schätzungen der EU-Kommission wird bei 65 Prozent aller importierten Pakete aus China der Warenwert bewusst zu niedrig angegeben, um unter der Zollfreigrenze von 150 Euro zu bleiben. Die Regelung war einmal für private Geschenksendungen gedacht und wurde von chinesischen Plattformen zu einem industriellen Geschäftsmodell umgebaut. Für den deutschen Handel ist das keine Kleinigkeit, sondern eine systematische Wettbewerbsverzerrung.

Hinzu kommt ein Sicherheitsproblem, das unmittelbar Verbraucher betrifft. Die Stiftung Warentest hat 2025 in einer gemeinsamen Untersuchung mit europäischen Partnerorganisationen 162 Produkte von Temu und Shein getestet. Das Ergebnis: 68 Prozent erfüllten EU-Sicherheitsstandards nicht, rund ein Viertel galt als potenziell gefährlich. Schmuck wies Cadmiumwerte auf, die das 8.500-fache des erlaubten Grenzwerts überstiegen, USB-Ladegeräte erreichten Temperaturen von bis zu 88 Grad Celsius, Babyspielzeug enthielt Kleinteile, die zur Erstickungsgefahr wurden. Kein seriöser Händler in Deutschland könnte solche Produkte verkaufen.

Aufklärung als Wirtschaftspolitik

Die Kampagne begegnet Verbrauchern dort, wo das Problem entsteht: im Feed. Das Konzept setzt auf Reverse Advertising, also die Sprache und Ästhetik der Plattformen, gewendet gegen sie selbst. Für den Handelsverband Südwest ist das mehr als Verbraucherschutz im engen Sinne: Jeder Verbraucher, der die Risiken kennt und bewusste Entscheidungen trifft, gibt dem fairen Handel wieder eine Chance. Aufklärung ist in diesem Sinne auch Wirtschaftsförderung.

Die politischen Forderungen des Verbands sind klar: Die Zollfreigrenze muss vollständig fallen, Produktsicherheitsvorschriften müssen für alle gelten, die in der EU verkaufen, Plattformen müssen als verantwortliche Importeure haften, und der Sanktionsrahmen des Digital Services Act muss konsequent ausgeschöpft werden.

Der Markt regelt sich nicht von selbst, wenn einer der Akteure dauerhaft außerhalb der Regeln operiert. „Der ehrlichste Shop der Welt“ ist ein öffentliches Zeichen dafür, dass Handel, Verbraucherschutz und Medienkompetenz an einem Strang ziehen.

Mehr Informationen und Kurzfilme unter: Kampagne – Der ehrlichste Shop der Welt – Handelsverband Südwest e.V.

(Text: Handelsverband Südwest/ks; Bild: Handelsverband Südwest)

Die letzten Artikel

Weniger Verlust, mehr Qualität: Handelsverband Südwest engagiert sich im Forschungsprojekt GReen Logistik

23. Februar 2026|HVMITTE, HVSUEW, Mittelrhein, Pfalz, Rheinhessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Top News, Trier, Überregional|

Der Handelsverband Südwest ist strategischer Partner im internationalen Projekt GReen Logistik, das Lebensmittelverluste entlang der Obstlieferketten in der Großregion nachhaltig reduzieren soll. Bis zu 20 Prozent der landwirtschaftlichen Erzeugnisse gehen in der Großregion jedes Jahr verloren, bevor sie die Verbraucher erreichen. Obst (Äpfel, Birnen, Trauben, Mirabellen) ist dabei europaweit die Produktgruppe mit den höchsten Verlusten. Die EU bezifferte den Marktwert dieser Verluste im Jahr 2022 auf 132 Milliarden Euro. Ein erheblicher Teil davon ist vermeidbar. Genau hier setzt das Projekt GReen Logistik an. Unter Federführung der htw saar arbeiten zehn Partner aus Wissenschaft, Wirtschaft und der Praxis der Lebensmittelkette von

Fit für den Schmuck- und Uhrenverkauf: Neue Kompaktschulung für Quereinsteiger

18. Februar 2026|Events, HVSUEW, Mitglieder, Pfalz, Rheinland-Pfalz, Seminare, Top News|

Vier Branchenverbände starten gemeinsames Basisseminar – praxisnah, kompakt und branchenweit zugänglich Der Fachkräftemangel macht auch vor der Schmuck- und Uhrenbranche nicht halt. Wer qualifizierte Verkäufer sucht, muss zunehmend auf Quereinsteiger setzen – und diese schnell und zuverlässig auf den Job vorbereiten. Genau hier setzt ein neues Weiterbildungskonzept an, das vier führende Branchenorganisationen gemeinsam auf den Weg gebracht haben. Im Vorfeld der Branchenmesse Inhorgenta präsentierten der Handelsverband Juweliere (BVJ), der Bundesverband Schmuck, Uhren, Silberwaren und verwandte Industrien (BVSU), der Bundesverband der Edelstein- und Diamantindustrie (BVED) sowie die Deutsche Gemmologische Gesellschaft (DGemG) am 18. Februar 2026 in München ihr gemeinsames Projekt: das

Einzelhandel in Rheinland-Pfalz und im Saarland 2026

11. Februar 2026|HVSUEW, Rheinland-Pfalz, Saarland, Top News|

Minimales Wachstum in herausforderndem Umfeld Der Einzelhandel in Rheinland-Pfalz und im Saarland steht 2026 vor einem Jahr moderater Entwicklung. Während bundesweit ein nominales Umsatzwachstum von zwei Prozent erwartet wird, profitieren auch die beiden Bundesländer von dieser vorsichtigen Erholung. In Rheinland-Pfalz wird ein Gesamtumsatz von rund 32,8 Milliarden Euro prognostiziert, im Saarland sind es etwa 8,4 Milliarden Euro. Real bedeutet dies jedoch nur ein Plus von 0,5 Prozent – das hohe Preisniveau der vergangenen Jahre bleibt bestehen und belastet die Kaufkraft der Verbraucher nachhaltig. Verhaltene Verbraucherstimmung prägt das Jahr Die Konsumlaune bleibt 2026 verhalten. Nach dem schwachen Schlussspurt im Weihnachtsgeschäft 2025,

Nach oben